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Informatik? Weit mehr als nur Programmieren!
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Zum Panel gehörten Chuyang Wang, Fachschaftssprecher CIT und Studiengangsbündelsprecher Informatik, Janez Rotman, ebenfalls Vertreter der Fachschaft MPIC, Johanna Pirker, Professorin für N-Dimensional User Experience an der TUM, Jana Giceva, MDSI Core Member und Professorin für Datenbanksysteme, sowie Dr. Tobias Müller aus dem Bereich Industry-University Collaboration bei SAP Labs Germany. Das MDSI veranstaltete die Diskussion zu der zentralen Frage „Is computer science still worth studying in the age of AI?“ am 16. Juni 2026, um Veränderungen und Chancen im Informatikstudium zu beleuchten.
„Verstehst du die Informatik?“
Die Informatik wird seit langem vor allem auf Programmieren reduziert, doch diese Wahrnehmung ändert sich rasant, da generative KI inzwischen Code schreiben und Fehler entfernen kann. In ihren Eröffnungsworten brachte Moderatorin Jana Giceva den Kern der Sache auf den Punkt: „Lange Zeit wurde Informatik mit Programmieren gleichgesetzt. Doch da generative KI nun in der Lage ist, funktionsfähigen Code zu schreiben, Fehler zu beheben und sogar Prototypen zu erstellen, hat sich der Engpass, gute Programmierer zu finden, verlagert. Die eigentliche Frage ist nicht mehr ‚Kannst du programmieren?‘, sondern ‚Verstehst du die Informatik?‘“ Dieser Wandel führt verständlicherweise zu Zweifeln am Wert eines Informatikstudiums.
„Lohnt sich ein Informatikstudium im Zeitalter von KI noch?“
Alle Diskussionsteilnehmenden beantworteten diese Frage klar und überzeugt mit „Ja“. „Ein Informatikstudium ist auch im Zeitalter von GenAI nach wie vor sehr wertvoll“, erklärte Chuyang Wang. „GenAI kann beim Programmieren eine große Hilfe sein, aber Informatik besteht nicht nur darin, zu programmieren, es geht auch darum, Probleme zu definieren, Systemarchitekturen und deren Auswirkungen zu verstehen und mit ‚Kundinnen und Kunden‘ zu kommunizieren, um die tatsächlichen Anforderungen zu ermitteln.“
Jana Giceva verwies auf aktuelle Berichte des ACM und Branchenumfragen, die zeigen, dass KI zwar Routineaufgaben im Coding beschleunigt, gleichzeitig jedoch die Nachfrage nach menschlicher Expertise steigert. Entwicklerinnen und Entwickler verbringen heute mehr Zeit mit der Problemdefinition, dem Systemdesign, dem kritischen Denken sowie der Überprüfung und Integration von KI-generierten Ergebnissen. Der Konsens: KI verändert die Werkzeuge, nicht den Wert der Disziplin.
„Welche Inhalte sind im Informatikstudium essenziell?“
Im weiteren Verlauf ging es um die zentralen Bestandteile eines Informatikstudiums. „Viele Studierende nutzen GenAI bereits täglich im Studium, sei es zur Beantwortung individueller Fragen oder zur Prüfungsvorbereitung“, bemerkte Chuyang Wang. „Während es entscheidend ist, den richtigen Umgang mit GenAI zu lernen und zu verstehen, wie diese Systeme funktionieren, glaube ich, dass die ‚klassischen‘ Inhalte weiterhin essenziell bleiben.“ Sein Mitstudent Janez Rotman betonte die Bedeutung von Soft Skills und hob hervor, dass Kommunikation, Verständnis, aktives Zuhören und Sprechen sowie Zusammenarbeit zentrale Kompetenzen sind, die im Studium stärker gefördert werden sollten.
Über das Programmieren hinaus geht es in der Informatik vor allem um Denk- und Lernprozesse. „Eine Schlüsselkompetenz ist die Fähigkeit, komplexe Probleme in kleinere, handhabbare Teile zu zerlegen, oft auch so, dass Menschen aus verschiedenen Disziplinen an diesen Teilproblemen arbeiten können“, betonte Johanna Pirker. Ebenso wichtig sei das „Lernen lernen“. „Ob Java, C oder C++, entscheidend ist das Verständnis grundlegender Konzepte und die Fähigkeit, sich in einem sich ständig wandelnden Umfeld weiterzuentwickeln“, fügte Pirker hinzu.
Auch die Interdisziplinarität spielte eine zentrale Rolle. Chuyang Wang unterstrich, dass Informatik von Beiträgen aus unterschiedlichen Bereichen wie etwa Medizin, Elektrotechnik, Mathematik, Physik und Psychologie profitiert. Jana Giceva ergänzte: „Das MDSI bringt Forschende aus der Informatik und anderen Disziplinen zusammen, sodass sie gemeinsam Probleme in verschiedenen Bereichen lösen können. Es ist wirklich ein Schmelztiegel für Ideen und Innovationen.“
„… und dann?“
Auf die Frage, wie Studierende sich in der Welt der Informatik orientieren können, gab Tobias Müller einen praktischen Rat: „Probiert so viele verschiedene Dinge wie möglich aus und erkundet ein breites Spektrum an Themen. Achtet darauf, was euch wirklich interessiert und Freude bereitet.“ Er zeigte sich überzeugt, dass jede und jeder Studierende letztlich den richtigen Karriereweg finden wird, vielleicht nicht auf direktem Weg, aber um wichtige Erfahrungen reicher und mit wichtigen Fähigkeiten ausgerüstet.
Fazit: Eine sehr erfolgreiche und inspirierende Diskussion
Die Paneldiskussion war Teil des „Schnupperstudiums Informatik“ für Oberstufenschülerinnen, die nächste Generation von (TUM-)Studierenden, und wurde mit großer Begeisterung aufgenommen. „Die Schülerinnen sind zwar noch jung, aber bereits sehr gut informiert. Sie stellten durchdachte Fragen und hatten klare Vorstellungen von ihrer Zukunft“, sagte Aslı Yalçındağ, Studentin im Masterstudiengang Mathematics in Science and Engineering an der TUM und studentische Hilfskraft am MDSI.
Die Veranstaltung wurde sehr positiv aufgenommen und war für die Schülerinnen besonders wertvoll, betonte Jana Giceva: „Viele Teilnehmerinnen haben mir im Anschluss gesagt, dass ihre Bedenken und Zweifel durch die Diskussion geklärt wurden. Sie fühlen sich nun deutlich sicherer und positiver in Bezug auf die Entscheidung für ein Informatikstudium.“
Als beruhigendes Fazit fasste Jana Giceva zusammen: „KI kann Code generieren, aber sie kann nicht die menschliche Fähigkeit ersetzen, Probleme zu verstehen, Systeme zu entwerfen und interdisziplinär zusammenzuarbeiten. Genau darum geht es in einem Informatikstudium.“